Immer wieder ist der Umgang mit einem psychisch kranken Familienangehörigen ein Anlass sich Rat und Hilfe zu suchen. Häufig wird der Kontakt zu anderen, die ähnliches erleben, als entlastend erlebt.

Die Erkrankung selbst, der Umgang mit Vorurteilen, Stigmatisierung oder auch der Umgang mit den eigenen, zwiespältigen  Gefühlen ist für viele Angehörige eine große Herausforderung und Belastung.

Besonders wichtig ist in dieser Situation, dass Beide (Sie und der Angehörige) den anderen anerkennen: Der Gesunde sollte würdigen, dass der Betroffene sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht und Verständnis zeigen, der Betroffene sollte aber auch anerkennen, dass es für den Gesunden, die anderen Familienangehörigen eine Herausforderung ist, mit der Erkrankung zurechtzukommen.

Einige Anregungen können Ihnen im Umgang mit Ihrem Angehörigen hilfreich sein:

  • Erkennen Sie an und machen Sie Ihrem Angehörigen klar, dass Sie keine Therapeuten sind. Häufig ist es nicht möglich, dass Sie all das tun können, was Sie gerne möchten.
  • Behüten und umsorgen Sie nicht ununterbrochen und lassen Sie ihm so viel Selbstständigkeit wie möglich, äußern Sie aber klar, dass Sie da sind, wenn Sie gebraucht werden.
  • Geben Sie Ihrem Angehörigen Zeit, fördern Sie kleine Schritte der Besserung – freuen Sie sich darüber, aber bitte überfordern Sie nicht.
  • Seien Sie einfühlsam, haben Verständnis und zeigen Sie Interesse an der Situation des Betroffenen.
  • Die Stabilisierung und Besserung einer psychischen Erkrankung braucht Zeit – machen Sie sich dessen bewusst. Bedenken Sie, dass die Symptome der Erkrankung keine böse Absicht sind, sondern der Ausdruck seiner derzeitigen Erlebnisweise.
  • Ein regelmäßiger Lebensrhythmus (essen, schlafen, Bewegung….) unterstützt.
  • Sorgen Sie für gemeinsame positive Aktivitäten (Ausflüge, Spaziergänge), ohne dabei zu überfordern.
  • Ihr Angehöriger hat sich trotz seiner Erkrankung auch gesunde Anteile bewahrt, helfen Sie ihm diese zu stärken und zu entwickeln.
  • Passen Sie Ihre Erwartungen und Anforderungen der Situation an, vermeiden Sie Überstimulierung und Überforderung.
  • Wenn Sie etwas erreichen möchten, überlegen Sie sich vorher, wie Sie am Besten vorgehen möchten und warten einen geeigneten Zeitpunkt ab. Drücken Sie sich klar und sachlich als Ich-Botschaft aus, was Sie möchten. Üben Sie keinen Druck aus und vermeiden Sie es ärgerlich zu werden, dies bewirkt häufig das Gegenteil und schafft zusätzlich Stress für Sie Beide. Klare Grenzen helfen, machen Sie in ruhigem Ton deutlich, welchen Verhalten für sie nicht akzeptabel ist.
  • Treffen Sie zusammen mit dem Betroffenen Absprachen und finden Sie gemeinsam Regeln für das Zusammenleben in der Familie und für den Umgang mit der Erkrankung, zum Beispiel, was zu tun ist, wenn sich die Erkrankung wieder verschlechtert.
  • Bemühen Sie sich um eine gelassene Lebenshaltung und Konflikte abzubauen, auch wenn es manchmal schwerfällt. Wenn es Ihnen möglich ist, überlegen Sie, ob es Ihnen hilft „in die Luft zu gehen“.
  • Treffen Sie mit Ihrem Angehörigen klare Vereinbarungen, welche Konsequenzen bestimmte Krankheitsanzeichen oder Verhaltensweisen haben, also wie der Betroffene oder die Familie darauf reagieren sollen.
  • In einigen Fällen ist es nötig und auch hilfreich Medikamente einzunehmen. Nehmen Sie eine wohl überlegte Haltung zu Medikamenten ein, informieren Sie sich über die Medikamente und Nebenwirkungen und klären Sie gemeinsam offene Fragen mit Ihrem Arzt.
  • Es ist nicht notwendig, dass Ihr Angehöriger und Sie alleine mit der Erkrankung klarkommen. Häufig ist das auch gar nicht möglich – dafür gibt es professionelle unterstützende Angebote. Motivieren Sie den Betroffenen, diese in Anspruch zu nehmen. Die Belastungssituation kann auch Sie als Angehöriger überfordern und es kann sinnvoll sein, selbst Unterstützung oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hier bietet sich die Möglichkeit nach Wegen und Lösungen zu suchen, die man unter dem ständigen Druck alleine vielleicht nicht findet.

Und zum guten Schluss: Sorgen Sie gut für sich selber! Gehen Sie achtsam mit Ihren Kräften um, pflegen Sie Ihre Kontakte und Hobbys, erlauben Sie sich Freiraum. Machen Sie die Dinge, die Sie lieben und stärken und gönnen Sie sich auch mal etwas Gutes.

Nur wenn Sie selbst genug Kraft haben, können Sie für andere eine Hilfe und Unterstützung sein!

Bild: Jametlene Reskp on Unsplash