Trennungen gehören zu den schmerzlichsten Erfahrungen in unserem Leben. Paare entscheiden sich für eine gemeinsame Zukunft und hegen gemeinsame Hoffnungen und Wünsche. Entscheidet sich dann ein Partner zur Trennung, fallen wir in ein tiefes Loch. Mit diesen Erfahrungen sind Sie nicht alleine.

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland durch richterlichen Beschluss etwa 149 000 Ehen geschieden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die Zahl der Scheidungen gegenüber 2018 um knapp 1 000 oder 0,6 % gestiegen.

Eine Trennung muss nicht einfach ausgehalten werden. Schmerz, Wut, Enttäuschung, Empörung über das Verhalten des anderes, seltener Selbstkritik über das eigene Verhalten sind nötig, um eine Trennung verarbeiten zu können.

Wenn ein Partner verlassen wird, und noch ein Dritter ins Spiel kommt findet sich auch noch Kränkung im Wirrwarr der Gefühle.

Menschen, die vom Partner verlassen werden, fühlen sich oft so, als ob der haltgebende Rahmen in ihrem Leben verloren gegangen ist.

Häufig gibt es bereits im Vorfeld Anzeichen, wir spüren, dass sich etwas verändert. Der Partner zieht sich zurück und bei Diskussionen und Streitereien verletzten sich die Partner gegenseitig. Anzeichen werden ignoriert oder nicht verstanden, und andere werden von der Trennung vollkommen überrascht.

Es braucht Zeit, um akzeptieren zu können, dass der gemeinsame Weg zu Ende ist.

 

Eine Trennung verläuft in verschiedenen Phasen.

 

  1. Phase

Während dieser ersten Phase befinden sich die Betroffenen in einem schockähnlichen Zustand. Der Schock und das Erschrecken über die Trennung stehen im Vordergrund.

Sie haben das Gefühl im falschen Film zu sein. Es fehlen die Worte, Reaktionen können verlangsamt sein, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Frieren, Kraftlosigkeit können beobachtet werden.

In dieser Phase kann es hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen, um Aufgefangen zu werden und der inneren Leere und dem „einfrieren“ entgegen zu wirken.

 

  1. Phase

In dieser zweiten Phase will der Betroffene die Trennung nicht wahrhaben und akzeptieren.

Verleugnung ist eine normale und menschliche Reaktion auf solch eine Krise. Sie hoffen, dass der Partner es sich noch einmal überlegt und wieder zu Ihnen zurück kommt. Ganz typisch für diese Phase ist, dass gehofft und gewartet wird, z.B. auf einen Anruf oder ein versöhnendes Gespräch, bitten, dass der Beziehung noch eine Chance gegeben wird und Versprechungen sich ändern zu können.

Häufig wird die Trennung vor Freunden, Verwandten, Nachbarn oder Arbeitskollegen erst einmal verborgen. Solange man auf eine Versöhnung hofft, spürt man immer wieder Sehnsucht, erlebt Schmerz und Enttäuschung.

Körperlich ist man unruhig, erschöpft, schläft schlecht und fühlt sich kraftlos.

Durch das Verleugnen gewinnen Sie Zeit, es schützt  vor der Realität und stabilisiert damit.

In dieser Phase kann es hilfreich sein, Sicherheit zu spüren und sich so auch mit der Realität auseinandersetzten zu können. Vor allem geht es darum Gefühle zuzulassen und sich klar zu machen, was gerade passiert.

 

  1. Phase

In dieser Phase machen sich all die Gefühle bemerkbar; Wut, Empörung, Schmerz, Enttäuschung wechselt sich ab mit Verzweiflung und Ängsten. Der verschleierte Blick gewinnt langsam wieder an Klarheit. Es ist ein Zeichen, dass Sie damit beginnen die Trennung zu verarbeiten. Oft treten auch körperliche Beschwerden auf wie Schlaf-und Konzentrationsstörungen, Magenschmerzen, das Essverhalten verändert sich. Auch eine innere Unruhe und depressive Verstimmungen können spürbar sein.

Um mit all diesen Gefühlen umgehen zu können, ist es wichtig, dass Sie sich erlauben diese Gefühle zuzulassen, akzeptieren und sich mit ihnen auseinander setzten.

Dennoch ist es hilfreich diese Phase nicht zu unterschätzen, da es zu unüberlegten Handlungen kommen kann. Es ist auf jeden Fall besser die Emotionen z.B. auf Bewegung um zu leiten, statt die Habseligkeiten des anderen aus dem Fenster zu werfen.

Wut wird auch unterdrückt, um den Partner nicht noch weiter von sich weg zu schieben, Hass will erst gar nicht wahrgenommen werden. Wut und Hass sind starke Gefühle, die viel Energie binden. Diese Energie wird eigentlich gebraucht, um mit der veränderten Situation umgehen zu können

Wer die Wut am anderen auslässt riskiert natürlich auch Gegenmaßnahmen und die schon angespannte Situation wird verschärft. Aber die Wut hat auch positive Aspekte. Sie setzt Energie und Aktivität frei und macht es so möglich sich vom Partner zu lösen, da es ausgeschlossen ist Wut und Liebe gleichzeitig zu empfinden.

 

  1. Phase

In dieser Phase werden neue Ideen entwickelt, um mit dem Partner wieder ins Gespräch zu kommen oder um den Partner kämpfen zu können.  In Gesprächen ist jetzt der Zeitpunkt die Trennung zu verarbeiten oder Wege zu finden, die Trennung rückgängig zu machen. Feilschen um die Beziehung, oder große Versprechungen helfen nicht. Die Betroffenen sind bereit hier viel zu investieren und bleiben zwischen Hoffen und Bangen hängen. Selbstvorwürfe und Selbstabwertung können stattfinden. Hilfreicher wäre es, sich jetzt damit auseinander zu setzen, was die Beziehung konkret zum Scheitern brachte und weshalb und wie sich Beide in der Beziehung verändert haben.

Was sind Sie also bereit zu opfern, was müssen sie dafür bieten und wo könnte der Nutzen für Sie sein?

Alles was Sie und Ihr Selbstbewusstsein stärkt und ein Hoch und Tief in ihren Gefühlen abfängt ist jetzt gut und wichtig für Sie.

 

  1. Phase

Wenn nun von Ihnen erkannt wird, dass die Trennung nicht mehr zu vermeiden ist, ist es möglich, dass bei Ihnen anfangen viele Tränen fließen. Sie kommen nun auch gefühlsmäßig zu der Erkenntnis, dass Ihre Beziehung endgültig vorbei ist. Trauer nach einer Trennung ist ein vollkommen normales Gefühl. Trennung wird und darf weh tun – Verdrängung wird Ihnen nicht helfen. Auch Traurigkeit, Einsamkeit und Selbstzweifel können spürbar werden.

Trotzdem, fangen Sie an sich wieder nach außen zu orientieren.

 

  1. Phase

Es wird jetzt immer mehr Zeiten geben, in denen Sie sich nicht mit Ihrem Expartner beschäftigen. Nun ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie sich die Frage stellen, was Sie den eigentlich möchten und auch wieder beginnen Ihr Leben aktiv zu gestalten.. Möglich, dass Sie die vergangene Beziehung auch in einem anderen Licht betrachten können. Welche Bedürfnisse haben Sie? Sie finden jetzt langsam wieder zu Ihrem Gleichgewicht, finden Ihre innere Ruhe wieder und sehen die Chance auf eine hoffnungsvolle Zukunft.

Mit dem Wissen, dass Sie aufgetretene Probleme und Schwierigkeiten eigenständig gemeistert haben, gewinnen Sie ein neues Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

 

Geben Sie sich Zeit, langsam in eine neue Zukunft zu gehen und haben Sie bitte Geduld mit sich selber.

Wenn Sie Unterstützung brauchen, holen Sie sich Hilfe – gemeinsam lassen sich Herausforderungen besser meistern.

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