Nach einer unruhigen Nacht, sah ich mich am Morgen plötzlich meinem „inneren Kritiker“ gegenüber.

Kennen Sie den?

Ich vermute schon. Das ist der, der häufig damit beschäftigt ist uns das Leben schwer zu machen, uns zu kritisieren und der uns klar macht, dass nichts von dem was wir tun gut genug ist: „Du bist zu dick, zu dünn….du schaffst das eh nicht….., stell dich nicht so an… . Gerne reibt er uns auch unsere Fehler unter die Nase und macht uns ein schlechtes Gewissen, weil wir eine schlechte Mutter, Ehefrau, Freundin oder Tochter/ schlechter Vater, Ehemann, Freund oder Sohn sind. Eine Vorliebe von ihm ist auch, dass er uns mitten in der Nacht weckt, um uns auf unsere Fehler hinzuweisen, so dass wir die restlichen Nachtstunden Zeit zum Grübeln haben.

Meistens begleitet uns der „innere Kritiker“ seit unserer Kindheit. Jedes Kind lernt schnell, dass es auf die Fürsorge der Erwachsenen angewiesen ist und auch, sich anzupassen. Zuerst an die Eltern, dann an Kindergarten und Schule. Dabei nehmen wir die Regeln und auch die Ermahnungen der Erwachsenen auf. Vielleicht hört sich so ein „innerer Kritiker“ auch an wie ehemals die Mutter oder der Vater – vorwurfsvoll oder streng.

Später kann der Kritiker alles was Sie für erstrebenswert halten dafür benutzen seine Messlatte anzubringen. Und wenn Sie sich arg anstrengen, dann hängt er sie einfach noch ein Stückchen höher. Ganz egal ob es sich um Karriere, Fitness oder die Lebensweise handelt.

Tage an denen dieser „innere Kritiker“ viel zu sagen hat, sind die Tage, an denen wir an uns und an dem was wir können zweifeln. Es baut sich ein psychischer Druck auf. Das Gefühl der ständigen Unruhe – wie in einem Hamsterrad zu laufen, Beklemmungsgefühle, Nervosität Magenschmerzen. Und wir haben das Gefühl: Egal was wir machen, wie sehr wir uns auch bemühen, nie ist es genug!

Ihre Sprache ist ein Hinweis auf Denkweise. Äußern Sie sich oft erst einmal zögerlich die Überlegungen „ich bin mir nicht sicher, ob ich das……..“ oder sagen sie gleich „ich kann das nicht”? Sagen Sie grundsätzlich „ich muss“ oder eher „ich möchte“, oder sprechen Sie gerne von „man“? Gibt es nur Schwarz-Weiss-Denken, vergleichen Sie sich mit anderen, oder sind Sie unsicher? In diesem Fall hat wohl der „innere Kritiker“ das Sagen, ohne dass Sie wirklich darüber nachgedacht haben.

Konstruktive Selbstkritik hat immer das Anliegen Sie zu stärken, damit Sie die Möglichkeit haben besser zu werden, zu lernen und zu wachsen. Ihr „innerer Kritiker“ ermutigt Sie nicht. Also achten Sie bitte darauf, ob Sie wirklich konstruktive Selbstkritik äußern oder hat Ihr „innerer Kritiker die Kontrolle übernommen?

Bestimmt haben Sie schon einiges versucht diesen „inneren Kritiker“ loszuwerden. Hat er einen bestimmten Namen bei Ihnen, oder haben Sie eine bildliche Vorstellung von Ihm wie er aussieht?  Ich schon!

Aber mal ehrlich? Loswerden können wir ihn sehr wahrscheinlich nicht – er ist in uns drin, und wenn wir zur Ruhe kommen möchten, sollten wir einen Weg mit ihm finden. Um mit ihm fertig zu werden, sollte uns klar sein, dass er ein gelerntes Denkmuster ist. Wir müssen Ihn nicht austreiben – er braucht einfach nur klare Grenzen und auch eine begrenzte Zeit, in dem wir mit Ihm kommunizieren.

Wir sind nicht der “innere Kritiker”, sondern er ist lediglich ein Teil von uns.

Wenn es uns möglich ist das zu erkennen, dann können wir das Ruder in die Hand nehmen.

Wie aber können wir besser mit unserem „inneren Kritiker“ zurechtkommen?

Tipp 1:

Legen Sie sich ein Kritiker-Notizheft an. Schreiben Sie alle Ihre Gedanken und Beobachtungen auf, wenn Sie glauben ihr „innerer Kritiker“ ist aktiv. z.B.

  • Woran bemerken Sie seine Aktivität? Sind Sie öfters deprimiert, kraftlos oder ängstlich?
  • Welche Gedanken kommen Ihnen und was fühlen Sie dabei?
  • Und vor allem, in welchen Situationen, bei welchen Themen macht er sich bemerkbar?
  • Möchte er vielleicht etwas verhindern?
  • Ihr Kritiker hat seine Lieblingspunkte, auf denen er gerne immer wieder herumhackt. Was wiederholt sich immer wieder? Welche Gedanken sind wiederkehrend und quälend?

Damit schaffen Sie mehr Distanz zu ihm und vor allem holen Sie damit sein Gerede raus aus Ihrem Kopf.

Tipp 2:

Denken Sie bitte über folgendes nach:

  • Wann fühlen Sie sich gut und selbstsicher? Welche Situationen sind das?
  • Wie denken Sie in diesen Situationen über sich? Was gefällt Ihnen?
  • Wie fühlt sich dieser positive Zustand für Sie an?

Aus diesem Gefühl, aus dieser Perspektive heraus können Sie mit mehr Distanz auf die Situation mit Ihrem „inneren Kritiker“ schauen, Sie behalten ihn unter Kontrolle.

Beobachten Sie auch Situationen, in denen Ihnen das schwerfällt – was hat sich verändert? Bereits die Wahrnehmung dieser Situation ist ein Fortschritt und Sie haben die Möglichkeit Einfluss zu nehmen.

Wenn Sie Ihren „inneren Kritiker“ bemerken:

  • Wie wäre es Ihn mit einem frechen Grinsen zu begrüßen – „Ich habe dich bemerkt?“.
  • Atmen Sie tief ein, richten Sie sich zu Ihrer vollen Größe auf und machen Sie sich klar: Alles o.k., ich bin gut so wie ich bin!
  • Und Widersprechen Sie Ihrem „inneren Kritiker“ – sagen Sie genau so hartnäckig wie er es tut „Stimmt nicht!…… Falsch…….., oder ich schaffe das!“

Tipp 3:

Holen Sie Ihre Aufzeichnungen, in der Sie alles aufgeschrieben haben, noch einmal raus.

  • Wie könnten diese Punkte anders, positiver lauten, mit Ihrem Wissen, Gefühl und Erkennen, dass Sie sich bis jetzt sichern konnten?  z.B. Ich bin ein schlechter Partner à mir fehlt manches Mal die Ruhe und die Geduld für meinen Partner, aber ich bemühe mich, unsere gemeinsame Zeit                wertzuschätzen und meinem Partner eine Unterstützung zu sein. Hört sich doch gleich viel besser an, oder?
  • Wenn sie wahrnehmen, dass Ihr „innerer Kritiker“ sehr aktiv ist, dann sagen Sie zu laut zu sich selber

                                                                           STOP !                                                                                                   

  • Stoppen Sie bewusst alle Gedanken, mit denen Sie sich selbst abwerten oder entmutigen. Aufrichten, bewusst ein- und ausatmen.

Tipp 4:

Wenn Sie für eine Aufgabe Ihre ganze Selbstsicherheit brauchen, dann stellen Sie Ihren „inneren Kritiker“ für den Augenblick zurück:

  • Schreiben Sie seine Befürchtungen und seine kritischen Kommentare auf und klären Sie seine Einwände später.
  • Vereinbaren Sie mit sich und Ihrem „inneren Kritiker“ am selben Tag eine Zeit, in der Sie ihm zuhören wollen – nach Feierabend, dann wenn Sie Ihre Aufgaben erfüllt haben.
  • Bis zu diesem Zeitpunkt stoppen Sie innerlich jeden Gedanken, der Sie verunsichert.

 

 Natürlich verändert sich jetzt nicht über Nacht Ihr Denken und Ihr Verhältnis zu Ihrem „inneren Kritiker“. Aber das Erkennen ist immer der Schritt vor der Veränderung. Es ist ein Anfang und es liegt an Ihnen diesen Weg stetig weiterzugehen, bis Ihnen Ihr neues Bild von Ihnen vertrauter und selbstverständlicher wird. Es ist auf jeden Fall auf Dauer leichter, als sich täglich, immer und immer wieder, mit Ihrem “inneren Kritiker” auseinanderzusetzen.

Geben Sie sich bitte Zeit, seinen Sie geduldig mit sich selbst und bleiben Sie dran!

Gerne unterstütze ich Sie dabei.

Bild:Markus Spiske on Unsplash